Europa-News 08/02

 

Der Brenner verlangt eine europäische Lösung

Nicht nur bei den Flüchtlingen sondern auch beim Transitverkehr ist die EU gefordert, einen Verteilungsschlüssel zu finden

Der durch den Schneefall bedingte Verkehrsinfarkt am vergangenen Wochenende auf der Brennerautobahn hat einmal mehr auf die Dringlichkeit einer EU-Verkehrslösung für die wichtigste Nord-Süd-Transversale aufmerksam gemacht. Fast einen halben Tag lang war die Strecke von Innsbruck über den Brenner bis nach Brixen blockiert, wobei auch die Ausweichrouten über das Pustertal und den Reschenpass davon betroffen waren, was in den Verkehrsnachrichten fast unterging. Dass dies kein Einzelereignis war, der nächste Kollaps absehbar ist, steht für die Politiker, allen voran Tirols Landeshauptmann Günther Platter und den Südtiroler Landeschef Arno Kompatscher schon seit langem fest. Tatsächlich aber lässt eine rasche Lösung dieser Verkehrsproblematik auf sich warten.

Für die Verkehrssprecherin der ÖVP im EU-Parlament, Claudia Schmidt, eine „unzumutbare“ Situation. Und das sieht auch so der Südtiroler EU-Parlamentarier Herbert Dorfmann im Gespräch mit EurActiv. Vorerst aber wird wieder einmal nur über die Verschuldensfrage diskutiert. Die Frächter machen die Fahrverbote auf der Nordtiroler-Seite verantwortlich. Italiens Innenminister sieht Versäumnisse bei der privaten Autobahnbetreibergesellschaft. Seitens der Behörden wird darauf verwiesen, dass viele LKWs nicht mit wintertauglichen Reifen unterwegs waren und die Wettersituation von den Fahrern völlig falsch eingeschätzt wurde. Tatsächlich war der Verkehr vom Brenner abwärts durch Bremsversagen vieler LKWS auf der schneeglatten Fahrbahn zum Erliegen gekommen. Mit der Folge, dass sich ein über 80 Kilometer langer Stau aufbaute.

Brenner hat Kapazitätsgrenze erreicht

Für Dorfmann ist klar, dass mit einer Frequenz von 2,3 Millionen LKW über 3,5 Tonnen, darunter massenhaft Schwerfahrzeugen, die Kapazitätsgrenze längst erreicht ist und ein neuerlicher Infarkt jederzeit möglich ist. Bis auf die Fertigstellung des Brenner-Basis-Tunnels zu warten, sei eine völlig falsche Einschätzung der tatsächlichen Lage, da der Kollaps bereits vor 2028 eintreten werde. Der Südtiroler Abgeordnete sieht die Lösung vorrangig und rasch machbar in einer Verkehrsverteilung. Aufnahmemöglichkeit hat die Route auf der Tauernautobahn von Salzburg bis Tarvis. Ganz besonders gilt dies aber für den Weg über den Schweizer Gotthard, der derzeit nur die Hälfte der Frequenz der Brennerroute aufweist. Schon jetzt aber sei es notwendig, darauf zu drängen, dass der Bahntransport von Rosenheim bis Verona nachhaltig gesteigert wird. Was allerdings auch einen Ausbau des Verladebahnhofs in Verona erforderlich macht.

Schmidt legt aber auch die Aufmerksamkeit auf die Infrastruktur zum Brennerbasistunnel. Tatsächlich sei man mit dem Baufortschritt absolut in der Zeit. Sorgen aber machen die notwendigen Zulaufstrecken. Diesbezüglich habe man nun auf italienischer Seite bereits mit den notwendigen Baumaßnahmen begonnen. Total vermisst werden diese freilich auch der deutschen Seite bis zur österreichischen Grenze. Wenn hier nicht rechtzeitig etwas geschieht, dann wird die Unterquerung des Alpenhauptkammes die notwendige Wirkung verfehlen. Insgesamt hat die EU-Verkehrspolitik jedenfalls dringenden Handlungsbedarf. Und auch ein Druckmittel, so vor allem gegen Deutschland in der Hand. Immerhin wird das Tunnelprojekt massiv mit Geldern der EU gefördert.