Europäische Werte

Gastbeitrag


„Die EU befindet sich in einer Wertekrise!“, hallt es von Links. „Wir müssen unsere europäischen Werte verteidigen!“, vernimmt man von Rechts. Politikerinnen und Politiker aller Lager berufen sich ständig auf die „europäischen Werte“, ohne jemals zu definieren, was sich hinter diesem Begriff eigentlich verbirgt. Im politischen Alltag scheinen diese europäischen Werte situationselastisch zu sein, doch was ist ihre wahre Natur? Wo kommen sie her? Viele Theorien wurden aufgestellt, um sie einzufangen und zu benennen – auf die beiden wichtigsten soll hier eingegangen werden.

Griechische Philosophie, römisches Recht und Christentum

Der erste deutsche Bundespräsident Theodor Heuss sagte einmal, dass es drei Hügel gäbe, von denen das Abendland seinen Ausgang nahm: Von der Akropolis in Athen kam die griechische Philosophie, vom Capitol in Rom das römische Recht und von der Golgatha das Christentum. Laut diesem Verständnis bildet Europa eine kulturelle und geistige Einheit. So soll es etwa nur die eine europäische Kultur geben, die nationale und regionale Facetten hat. Es brauchte nur ein gemeinsames Dach, um all diese Varianten der europäischen Kultur zusammen zu bringen. Diese Aufgabe erfüllt die europäische Union.

Freiheit, Brüderlichkeit, Gleichheit und europäische Aufklärung

Eine andere Meinung sieht den Ursprung unserer europäischen Werte in der französischen Revolution und in der Zeit der Aufklärung. Ziel der Aufklärer war es, die menschliche Vernunft aus den Ketten der kirchlichen und staatlichen Abhängigkeit zu befreien und damit den Weg freizumachen für eine Gesellschaft, die ihr Denken auf wissenschaftlich überprüfbare Erkenntnisse stützt. Der Mensch war nun im Zentrum des Denkens. Werte wie Toleranz, Solidarität, Gleichheit und Freiheit waren jene, die Europa für immer verändern sollten.

Europäische Werte heute

Man sieht, dass die Frage, welche Werte nun die Basis der europäischen Gemeinschaft bilde, nicht so leicht zu beantworten ist. Mehrere Konzepte verschmelzen in der heutigen Zeit und bilden einen Katalog an Werten, der in ganz Europa Gültigkeit besitzt. Es gibt also ein gemeinsames Fundament, das aber noch bebaut werden will.

Europa geht uns alle an

Um unser europäisches Haus gegen Wind und Wetter zu schützen, sollten wir uns Tugenden antrainieren, die ein gemeinsames Leben angenehmer machen. Vor allem aber, dürfen wir politischen Randgruppen nicht erlauben den Terminus „europäische Werte“ für gänzlich nichteuropäische Vorhaben zu missbrauchen. Wir dürfen nicht erlauben, dass Regierungen für ihr eigenes Unvermögen „die da in Brüssel“ verantwortlich machen. Wir dürfen nicht erlauben, dass gewisse Gruppen eine Spaltung der europäischen Gemeinschaft vorantreiben. Eines ist nämlich sicher: Europa steht für Einheit in Vielfalt.


 
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Andy Weber ist 24 Jahre alt und Jus-Student aus dem schönen Salzkammergut. Er ist glühender Europäer und leidenschaftlicher Backpacker.